Das Wichtigste in Kürze
- Der öffentliche Bereich kennt Parallelen zur Privatwirtschaft, aber auch zwingende Besonderheiten.
- Gespräche mit Mitarbeitenden und rechtliches Gehör sind zwei verschiedene Dinge und gehören nicht in dasselbe Gespräch.
- Rollen sind klar zu trennen: Das Präsidium ist nicht Vorgesetzte oder Vorgesetzter des Personals, ausser der Verwaltungsleitung.
- Führungsgrundsätze und Zielgespräche schaffen Orientierung, rechtssicher dokumentiert.
Führung im Milizsystem
Auf der einen Seite steht eine Verwaltung mit Fachleuten und einer Leitung an der Spitze, auf der anderen eine Milizbehörde mit sehr unterschiedlicher Berufserfahrung, die der Bevölkerung Rechenschaft schuldet. Manche Behördenmitglieder bringen Führungserfahrung aus dem Beruf mit, andere lernen sie im Amt. Vieles aus der Privatwirtschaft lässt sich übertragen. Gleichzeitig hat der öffentliche Bereich Besonderheiten, die zwingend zu beachten sind, allen voran das öffentliche Personalrecht.
Rechtliche Grundlagen kennen
Der Gemeinderat beaufsichtigt das gesamte Gemeindepersonal. Wie Anstellung, Beurteilung und Beendigung ablaufen, regeln das kantonale Recht und das Personalreglement der Gemeinde. Wer führt, sollte wissen, welche Entscheide die Behörde selbst treffen muss und welche delegiert sind. Bei Unsicherheit lohnt sich die Rückfrage, bevor etwas schriftlich festgehalten wird.
Führungsgrundsätze und Kultur
Ein Führungsleitbild schafft Orientierung: Es klärt, was erwünscht ist und was nicht, und stärkt so Zusammengehörigkeit und Selbstorganisation. Es muss nicht lang sein. Entscheidend ist, dass es im Alltag angewendet und vorgelebt wird.
Rollen sauber trennen
Das Gemeindepräsidium führt in der Regel die Verwaltungsleitung, nicht aber das übrige Personal. Die Verwaltungsleitung führt die nächste Ebene und trägt die operative Verantwortung für Personalplanung, Führungsgrundsätze und Controlling. Die Behörde sorgt für die strategischen Grundlagen im Personalbereich, legt Ziele fest und verlangt jährlich ein Reporting. Wo diese Rollen verschwimmen, entstehen Konflikte und im schlimmsten Fall Rechtsrisiken.
Der Führungszyklus mit Mitarbeitenden
Ein jährliches Ziel- und Beurteilungsgespräch richtet die Arbeit auf die Strategie aus und gibt Rückmeldung zu Fachwissen, Arbeitsweise und Führungsverhalten. Ein Zwischengespräch hält den Kurs. Situative Gespräche ergänzen. Wichtig: Ein Gespräch mit Charakter des rechtlichen Gehörs (etwa bei Abmahnung oder Verfügung) ist kein Zielgespräch und braucht ein eigenes, formal korrektes Vorgehen.
Schwierige Gespräche und Rekrutierung
Schwierige Gespräche gelingen mit Vorbereitung: Sachverhalt klären, Ziel definieren, Rahmen setzen, respektvoll bleiben und das Ergebnis dokumentieren. Bei der Rekrutierung gilt: Der Markt für Verwaltungsfachleute ist eng. Ein definierter Ablauf, ein attraktives Stellenprofil und ein zeitgemässes Auftreten verbessern die Chancen deutlich.
Merksatz
Gute Führung in der Gemeinde ist rechtlich sauber, kulturell klar und im Alltag einfach anzuwenden.
Rechtsgrundlagen und Quellen
- Gemeindegesetz Basel-Landschaft, § 72 Abs. 1 Ziff. 3 (Aufsicht über das Gemeindepersonal)
- Personalrecht der jeweiligen Gemeinde (Personalreglement, Personalverordnung)